13.02.2020

Wie erreiche ich eine erfolgreiche Krankenhaus- und MVZ-Interaktion?

In unserem Beitrag zum Entscheider-Wettbewerb um die 5 Digitalisierungsthemen der Gesundheitswirtschaft 2020 zeigen wir, wie man für Behandler und Management einen ganzheitlichen Informationsaustausch in Real Time zwischen MVZ und Klinik erreichen kann. Herr Hilmar Häberlein, EDV-Leiter der Kliniken des Landkreises Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim, erzählt uns im Interview, wie seine weiteren strategischen Ziele aussehen:

Immer wieder dasselbe Problem

„Kleinere und mittlere Kliniken auf dem flachen Land werden immer mehr zu regionalen Gesundheitsversorgern in ihrer Region. Getrieben durch den Mangel an Fachärzten und den Problemen bei der Nachbesetzung von niedergelassenen Praxen obliegt es vermehrt den ‚Landkrankenhäusern‘, die regionale fachärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten. Die Anzahl der MVZ, die unter der Führung von Kliniken betrieben werden, steigt kontinuierlich an. Es ist auch der erklärte Wille der Kommunalpolitik, dass die Kliniken hier ihre Rolle als Gesundheits-Dienstleister weiter ausbauen.

So betreiben auch die Kliniken des Landkreises Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim und die ANregiomed neben ihren Kliniken vermehrt MVZ. Die MVZ werden meist in eigenen GmbHs betrieben und sind somit rechtlich eigenständig und müssen dementsprechend auch datenschutzrechtlich als eigenständig betrachtet werden.

Ärzte und Patienten empfinden Klinik und MVZ als medizinische Einheit.

Diese Trennung zwischen Klinik-Betrieb und MVZ ist für den angestellten Arzt, der sowohl in der Klinik als auch im MVZ seinen Dienst verrichtet, nicht wirklich offensichtlich. Auch der Patient, der zunächst stationär in der Klinik und später zur Nachsorge im MVZ behandelt wird, kann dies ebenfalls nicht klar nachvollziehen. Ärzte und Patienten empfinden Klinik und MVZ oft als medizinische Einheit und möchten die Vorteile dieser Verzahnung auch nutzen. Damit beginnt nun die Herausforderung für die IT.

Die in den Kliniken eingesetzten Krankenhausinformationssysteme (KIS) sind zwar meist in der Lage, eine ambulante Abrechnung abzubilden, die Unterstützung für die Abläufe in den Praxen ist bei spezialisierten Praxisverwaltungssystemen (PVS) aber meist wesentlich besser umgesetzt. Dies führt dazu, dass neben dem KIS in der Klinik in den Praxen ein dediziertes PVS eingesetzt wird. Die technischen Möglichkeiten erlauben es zwar, über VPN-Verbindungen und Remotedesktop-Verbindungen gegenseitige Zugriffe einzurichten. Diese Zugriffe können aber natürlich nur von den Personen genutzt werden, die die verschiedenen Systeme bedienen können und die im Rahmen der datenschutzrechtlichen Einwilligung der Patienten dazu berechtigt sind.

Es gibt keinen einfachen, effektiven und praxistauglichen Austausch von Behandlungsdaten zwischen MVZ und Klinik, selbst wenn der Patient seine Einwilligung dazu erteilt hat.

Daraus ergibt sich, dass es keinen einfachen, effektiven und praxistauglichen Austausch von Behandlungsdaten zwischen MVZ und Klinik geben kann, selbst wenn der Patient seine Einwilligung dazu erteilt hat. Dieses Problem stößt sowohl bei den Ärzten als auch bei Patienten im Jahr 2020 auf teilweise großes Unverständnis und man muss aufwendig erläutern, warum man denn nun nicht auf den Befund, das Röntgenbild oder den Arztbrief aus der Praxis zugreifen kann. Es ist doch schließlich ‚unser‘ MVZ, das den Patienten zur stationären Aufnahme schickt. Ebenso groß ist das Unverständnis der Patienten, die aus ‚unserem‘ MVZ kommen und dann noch selbst als Überbringer der Krankenunterlagen herhalten müssen. Die Patienten versprechen sich für ihre Behandlung einen ‚Mehrwert‘, wenn stationäre und ambulante Behandlung aus ‚einer Hand‘ kommen. Dieser Mehrwert kann zum einen in der Behandlung durch den gleichen Arzt/die gleiche Ärztin liegen, aber natürlich auch darin, dass Behandlungsprozesse Hand in Hand gehen, was einen effektiven Datenaustausch voraussetzt.

Aus diesem Problemfeld ist die Idee und Anforderung entstanden, die IT-Systeme der Klinik und der MVZ zu verbinden. Nach einer Diskussion über die am Markt bekannten Möglichkeiten, sollte keine ‚Portal-Lösung‘ verwendet werden oder ein Austausch aller Behandlungsinformationen ins jeweils andere System erfolgen. Die Idee ist es, die bestehenden Archivsysteme in Klinik und Praxen über eine Standardtechnologie zu verbinden und einen Echtzeitzugriff auf die gewünschten Daten zu ermöglichen. Als technische Lösung kam mir dabei gleich IHE in den Sinn – genauer: der Aufbau einer oder mehrerer IHE Affinity Domains, da dieses Konzept für solch einen Datenzugriff entwickelt wurde.

Leider gibt es eine Hürde beim Thema ‚Budget und Ressourcen‘.

Leider hat sich herausgestellt, dass es dabei eine kleine, aber durchaus entscheidende Hürde beim Thema ‚Budget und Ressourcen‘ gibt. IHE Affinity Domains sind meist im universitären Umfeld oder bei großen Klinikverbünden zu finden, aber eher selten bei kleinen kommunalen Landkrankenhäusern. ‚Schade eigentlich‘, dachte ich mir und bin mit meiner Idee auf die Hersteller synedra und mediDOK zugegangen.“

Gemeinsam zum Ziel – im Sinne des Kunden

Gemeinsam mit Herrn Häberlein und mediDOK haben wir daher im Herbst 2019 begonnen, ein Lösungskonzept zu erstellen. Auch Lars Forchheim, CIO der ANregiomed aus Ansbach, schloss sich sofort diesem Projekt an, da er vor denselben Herausforderungen in seiner Klinikgruppe steht. Thomas Linhardt, Geschäftsführer von ITL, betreut als Systemhaus beide Kliniken bei der Umsetzung ihrer IT-Strategie in den angeschlossenen Praxen und MVZs.

Unter dem Titel „Wie erreiche ich eine erfolgreiche Krankenhaus- und MVZ-Interaktion? Ganzheitliche Informationen in Real Time für Behandler und Management!“ stellen wir das erarbeitete Lösungskonzept beim diesjährigen Entscheider-Event am 12. und 13. Februar 2020 in Düsseldorf der Öffentlichkeit vor. Folgende Verbesserungen können dadurch für den Klinik-Betreiber erreicht werden:

  • Für den Behandler: Vollständige Sicht auf den Patienten, Zugriff auf Befunde aus Klinik und MVZs
  • Für den Klinik-Geschäftsführer: Ermittlung von Kennzahlen zur Prozessoptimierung
  • Für den Patienten: Spürbarer Mehrwert, da ambulante und stationäre Behandlung „aus einer Hand“ kommen

Gleichzeitig werden in dem Konzept folgende Nebenbedingungen berücksichtigt:

  • Datensparsamkeit durch dezentrale Datenhaltung
  • Einhaltung der datenschutzrechtlichen Anforderungen
  • Verwendung von internationalen Standards, um die Zukunftsfähigkeit und Interoperabilität sicherzustellen.

Wir freuen uns auf das Feedback der Teilnehmer!

Hilmar Häberlein, EDV-Leiter der Kliniken des Landkreises Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim

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